Prüfe den Farbton im Raum. Licht und vorhandene Materialien verändern den Eindruck, den eine kleine Farbkarte vermittelt. Musterflächen und Produktangaben helfen dir, eine Farbe zu finden, die optisch und praktisch passt.
Nutzung und Untergrund prüfen
Überlege zuerst, welche Fläche du streichst und wie sie genutzt wird: Eine Wand im Flur wird stärker berührt und verschmutzt als eine Decke. Wenn du eine Fläche häufig reinigst, achte auf Angaben zur Abrieb- und Reinigungsbeständigkeit. Wenn du einen dunklen oder kräftigen Altanstrich überstreichen willst, achte besonders auf Deckvermögen und Verbrauch.
Prüfe danach den Untergrund. Wandfarben, Lacke und Lasuren sind nicht beliebig austauschbar. Auf einem ungeeigneten Untergrund erfüllt Lack möglicherweise nicht die Eigenschaften, die der Hersteller zusichert. Lies deshalb die Angaben auf dem Gebinde und im technischen Merkblatt. Das gilt besonders, wenn du den vorhandenen Anstrich oder das Material nicht sicher bestimmen kannst.
Auch das Bindemittel bestimmt, für welche Untergründe sich die Farbe eignet. Übliche Dispersionsfarben bieten eine große Farbauswahl und sind für viele Innenwände geeignet. Reinsilikatfarben brauchen bestimmte mineralische Untergründe und erfordern bei der Verarbeitung besondere Schutzmaßnahmen. Dispersionssilikatfarbe eignet sich laut Umweltbundesamt nicht für gipshaltige Untergründe. Kalkfarben haben eine geringere Deckkraft und sind nicht wischfest. Die Eigenschaften hängen vom Produkt ab. Prüfe deshalb immer das Produktmerkblatt.
Verwende Fassadenfarbe nicht im Innenraum. Speziell deklarierte Fassadenfarben enthalten häufig Algizide, also Wirkstoffe gegen Algen, und sind für Innenräume nicht vorgesehen. Bei Feuchteschäden, Altanstrichen, die kreidigen Staub abgeben, oder unbekannten Beschichtungen reicht die Wahl eines neuen Farbtons nicht aus. Kläre zuerst, welche Behandlung der Untergrund braucht. Halte dich an die Herstellerangaben oder hol fachlichen Rat ein.
Farbton im Raum testen
Streiche eine ausreichend große Musterfläche an der Stelle, die du später renovierst. Eine kleine Farbkarte zeigt nicht zuverlässig, wie der Ton auf einer ganzen Wand wirkt. Auch vorhandenes Holz, Glas, Beton und andere Oberflächen prägen den Gesamteindruck.
Betrachte das Muster bei Tageslicht und unter der Beleuchtung, die du im Raum verwendest. Unterschiedliche Lichtquellen geben Farben verschieden wieder. Dunkle, stark gesättigte Töne nehmen mehr Licht auf und können näher erscheinen. Deshalb wirkt ein Farbton auf dem Farbfächer oft anders als auf der Wand.
Die Sättigung und die Kontraste prägen den Farbeindruck. Auch die Größe der Fläche und das Licht spielen eine Rolle. Plane bei einer farbigen Wand auch die Beleuchtung mit ein: Farbige Flächen verändern, wie das Licht im Raum wirkt. Eine Probe unter den späteren Lichtbedingungen hilft dir, den Gesamteindruck einzuschätzen.
Produktangaben vergleichen
Vergleiche Farben nicht allein nach dem Gebindepreis. Achte auf den angegebenen Verbrauch, denn eine günstige Farbe ist nicht automatisch günstiger, wenn du deutlich mehr davon brauchst. Der tatsächliche Bedarf hängt außerdem von Fläche, Untergrund und Zahl der Anstriche ab. Richte dich bei der Planung nach den Herstellerangaben.
Die DIN EN 13300 teilt Innenfarben in Klassen ein. Sie bewertet unter anderem Nassabrieb, Deckvermögen, Glanz und Reinigungsfähigkeit. Nassabrieb beschreibt, wie widerstandsfähig eine Beschichtung beim feuchten Reinigen ist. Welche Werte zu einer Wand passen, hängt davon ab, wie du sie nutzt und welches Produkt du wählst. Die Norm gibt keine feste Empfehlung für jeden Raum.
Bei einem kräftigen Altanstrich ist das Deckvermögen besonders wichtig. Für Flächen, die du regelmäßig abwischst, zählen Angaben zur Abrieb- und Reinigungsbeständigkeit. Lies die Werte und Hinweise direkt auf dem Gebinde oder im technischen Merkblatt, statt allein auf Werbeaussagen wie „besonders robust“ zu vertrauen.
Raumluft und Lüften mitplanen
Farben, Lacke und Klebstoffe können flüchtige organische Verbindungen, kurz VOC, an die Raumluft abgeben. Diese Stoffe können während des Trocknens und Aushärtens einige Tage bis Wochen freigesetzt werden. Auch wasserbasierte Farben sind nicht automatisch emissionsfrei. Auch wenn eine Farbe kaum oder gar nicht riecht, kann sie Stoffe an die Raumluft abgeben.
Für Innenwandfarben nennt das Umweltbundesamt den Blauen Engel als Orientierung für emissionsarme Produkte. Der UBA-Ratgeber von 2024 gibt an, dass entsprechend gekennzeichnete Innenwandfarben bis zu 95 Prozent weniger VOC enthalten als herkömmliche Dispersionsfarben. Der Wert gilt für den im Ratgeber beschriebenen Vergleich, nicht automatisch für jedes einzelne Produkt.
Lüfte während der Renovierung und nach dem Streichen regelmäßig und intensiv. Laut Umweltbundesamt sinken erhöhte VOC-Konzentrationen in der Regel innerhalb einiger Wochen. In Ausnahmefällen dauert es mehrere Monate. Wie lange es bei dir dauert, hängt unter anderem vom Produkt und den Bedingungen im Raum ab.






















